Zwei Wege, den Verbrauch zu erfassen
Beim Gewerbestrom entscheidet vor allem eine Frage über Abrechnung und Tarifgestaltung: Wird der Verbrauch über ein Standardlastprofil abgebildet oder über eine registrierende Leistungsmessung erfasst? Beide Verfahren führen zur selben Stromlieferung, unterscheiden sich aber grundlegend darin, wie genau und wie häufig gemessen wird. Den Gesamtzusammenhang erklärt die Hubseite Gewerbestrom.
Maßgeblich für die Zuordnung ist der Jahresverbrauch. Als Richtwert gilt eine Grenze von rund 100.000 kWh pro Jahr.
SLP und RLM im direkten Vergleich
| Merkmal | Standardlastprofil (SLP) | Registrierende Leistungsmessung (RLM) |
|---|---|---|
| Typischer Verbrauch | bis ca. 100.000 kWh/Jahr | über ca. 100.000 kWh/Jahr |
| Erfassung | typisiertes Profil | viertelstündlicher Lastgang |
| Leistungspreis | in der Regel nicht | meist enthalten |
| Zähler | einfacher Zähler / mME | RLM-Zähler mit Fernübertragung |
| Typische Nutzer | Kleingewerbe, Büros, Läden | Industrie, große Betriebe |
Die Grenze von rund 100.000 kWh ist ein Richtwert, kein starres Gesetz. Der Netzbetreiber legt die Einordnung fest und vollzieht auch den Wechsel, wenn der Verbrauch dauerhaft über der Schwelle liegt.
Standardlastprofil: einfach für kleinere Anschlüsse
Beim Standardlastprofil wird der Verbrauch nicht individuell gemessen, sondern über ein typisiertes Lastprofil abgebildet. Der Netzbetreiber ordnet dem Anschluss ein Profil zu, das den typischen Tages- und Jahresverlauf einer Kundengruppe widerspiegelt. Für ein Büro, einen Laden oder einen kleinen Handwerksbetrieb genügt das. Die Abrechnung besteht im Kern aus Arbeitspreis und Grundpreis, ähnlich wie bei einem Haushalt.
RLM: genaue Messung mit Leistungspreis
Bei der registrierenden Leistungsmessung zeichnet der Zähler den Verbrauch in Viertelstundenintervallen auf und übermittelt die Daten an den Netzbetreiber. Aus diesem Lastgang ergibt sich die höchste bezogene Leistung, die in den Leistungspreis und in die Netzentgelte einfließt. Für leistungsgemessene Betriebe lohnt es sich daher, Lastspitzen zu vermeiden. Wie das funktioniert, vertieft der Spoke Lastgang verstehen und Lastspitzen senken.
Welche Messung zu welchem Betrieb passt
Die Messart ergibt sich nicht aus einer freien Entscheidung, sondern aus dem Verbrauch. Ein paar Orientierungspunkte:
- Kleingewerbe und Selbstständige liegen meist deutlich unter der Schwelle und werden über SLP abgerechnet. Mehr dazu im Spoke Gewerbestrom für Kleingewerbe und Selbstständige.
- Mittlere Betriebe an der Grenze sollten ihren Verbrauch im Blick behalten, da ein Überschreiten den Wechsel zur RLM auslöst.
- Große Betriebe mit kontinuierlich hohem Bedarf werden ohnehin über RLM abgerechnet und profitieren am stärksten von gezieltem Lastmanagement.
Welche Messung vorliegt, bestimmt mit, worauf es beim Tarifvergleich ankommt. Wer einen passenden Tarif sucht, kann unkompliziert Stromtarife vergleichen und die Kriterien im Spoke Gewerbestrom-Tarife vergleichen nachlesen. Wie günstig Gewerbestrom ausfällt, hängt von Verbrauch, Lastprofil und Marktniveau ab und lässt sich nicht pauschal beziffern.