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Strompreise

Netzentgelte: Warum Strom regional unterschiedlich viel kostet

6 Min. Lesezeit

Symbolbild zum Ratgeber „Netzentgelte: Warum Strom regional unterschiedlich viel kostet“: ein Umspannwerk mit Transformatoren im Stromnetz.

Kurz erklärt

Netzentgelte sind das Entgelt für die Nutzung des Stromnetzes und machen laut Bundesnetzagentur rund ein Fünftel bis ein Viertel des Haushaltsstrompreises aus. Sie werden durch die Bundesnetzagentur reguliert und von jedem Netzbetreiber individuell kalkuliert. Verbraucher können den Netzbetreiber nicht wechseln, aber durch einen Lieferantenwechsel den Anteil am Strompreis senken, der tatsächlich frei verhandelbar ist.

Was Netzentgelte sind

Wenn du Strom verbrauchst, fließt er über Hochspannungs-, Mittelspannungs- und Niederspannungsnetze bis in deine Steckdose. Für die Nutzung dieser Infrastruktur zahlt jeder Verbraucher ein Netzentgelt. Es ist fester Bestandteil jeder Stromrechnung und wird vom Lieferanten zusammen mit der Energiemenge in Rechnung gestellt, aber vollständig an den Netzbetreiber weitergeleitet.

Laut BNetzA-Monitoringbericht machen Netzentgelte inkl. Messstellenbetrieb rund ein Fünftel bis ein Viertel des Haushaltsstrompreises aus (vgl. Quellen). Der genaue Anteil schwankt je nach Region, Netzbetreiber und Tarifjahr erheblich.

Illustration zum Abschnitt „Was Netzentgelte sind“ im Ratgeber „Netzentgelte: Warum Strom regional unterschiedlich viel kostet“: ein Umspannwerk mit Transformatoren im Stromnetz.

Wer Netzentgelte festlegt

Netzbetreiber sind natürliche Monopole. Da Verbraucher keinen anderen Netzbetreiber wählen können, unterliegen die Entgelte einer staatlichen Regulierung. Die Bundesnetzagentur (BNetzA) legt die zulässigen Erlösobergrenzen im System der Anreizregulierung fest (§ 21 EnWG, Stromnetzentgeltverordnung). Innerhalb dieser Obergrenzen kalkuliert jeder Netzbetreiber seine eigenen Entgelttabellen.

§ 23b EnWG verpflichtet Netzbetreiber dazu, ihre Netzentgelte im Internet zu veröffentlichen. Die Entgelte deines Netzbetreibers findest du auf dessen Website unter der Rubrik “Netzentgelte” oder “Netznutzung”.

Warum Netzentgelte regional so unterschiedlich sind

Deutschland hat rund 880 Verteilnetzbetreiber. Zwischen diesen gibt es erhebliche Unterschiede: Die günstigsten Netzgebiete liegen in einer Größenordnung von rund 5 Cent je Kilowattstunde Netznutzungsentgelt, die teuersten weit über 10 Cent. Folgende Faktoren treiben die Unterschiede:

Netzinfrastruktur und Alter. Ältere Netze mit höherem Sanierungs- und Erneuerungsbedarf erzeugen höhere Kapitalkosten, die auf alle Netznutzer umgelegt werden.

Bevölkerungs- und Abnahmedichte. Je mehr Kunden an einem Netz hängen und je höher die abgenommene Strommenge, desto geringer der Kostenanteil je Kilowattstunde. Ländliche Regionen mit langen Leitungen und wenig Abnahme zahlen strukturell mehr.

Anteil erneuerbarer Energien und Netzausbau. Regionen mit hohem Wind- und Solarstromanteil müssen leistungsfähigere Netze vorhalten, um Spitzenleistungen abzutransportieren. Die dafür notwendigen Investitionen schlagen sich in den Netzentgelten nieder.

Redispatch-Kosten. Wenn Windstrom im Norden nicht direkt dorthin fließen kann, wo er gebraucht wird, müssen Kraftwerke andernorts hoch- oder runtergeregelt werden. Diese Kosten tragen die Netzbetreiber und verteilen sie auf die Netzentgelte.

Konzessionsabgaben. Netzbetreiber zahlen Städten und Gemeinden eine Konzessionsabgabe für das Recht, die öffentlichen Wege zu nutzen. Dieser Betrag fließt in die Netzentgeltkalkulation ein.

Illustration zum Abschnitt „Warum Netzentgelte regional so unterschiedlich sind“ im Ratgeber „Netzentgelte: Warum Strom regional unterschiedlich viel kostet“: ein Umspannwerk mit Transformatoren im Stromnetz.

Das regionale Gefälle und seine Grenzen

Pauschal gesagt gelten in Norddeutschland durch den hohen Windstromanteil und die langen Transportwege in Verbrauchszentren oft überdurchschnittliche Netzentgelte. Das ist aber kein einfaches Gesetz: Auch manche ländliche Netzgebiete im Süden haben hohe Entgelte durch geringe Kundendichte, und manche städtischen Netze im Norden sind vergleichsweise günstig.

Den verlässlichsten Überblick über regionale Unterschiede bietet die BNetzA-Übersicht aller gemeldeten Netzentgelte (vgl. Quellen).

Entlastungsmaßnahmen und Reformdiskussion

Der Gesetzgeber hat in den vergangenen Jahren Maßnahmen zur Entlastung besonders hoher Netzentgelte geprüft und zum Teil umgesetzt. Dazu gehören bundesweite Zuschüsse zu den Übertragungsnetzentgelten sowie Diskussionen über eine stärkere Wälzung regionaler Unterschiede. Ob und in welchem Umfang solche Maßnahmen fortbestehen oder ausgebaut werden, ist von der jeweils aktuellen Gesetzeslage abhängig und sollte beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz oder der BNetzA geprüft werden.

Was du als Verbraucher tun kannst

Das Netzentgelt kannst du nicht beeinflussen: Netzbetreiber, Messstellenbetrieb, Stromsteuer und staatliche Umlagen sind für alle Tarife an deiner Adresse gleich hoch. Was du wählen kannst, ist dein Stromlieferant. Der Lieferantenanteil umfasst den eigentlichen Energieeinkaufspreis und die Handelsmarge und macht einen wesentlichen Teil der Preisunterschiede zwischen Tarifen aus.

Ein Wechsel von der teuren Grundversorgung in einen Wettbewerbstarif kann je nach Region und Verbrauch mehrere Hundert Euro im Jahr sparen. Tarife vergleichen und den Wechsel anstoßen kannst du mit dem Stromkostenrechner. Mehr zum Wechselprozess erklärt die Hubseite Stromanbieter wechseln.

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Häufige Fragen

Wie hoch sind Netzentgelte im Durchschnitt?
Laut BNetzA-Monitoringbericht machten Netzentgelte inkl. Messstellenbetrieb im Haushaltsstrompreis zuletzt rund 20 bis 25 Prozent aus. Je nach Region und Netzbetreiber liegen die Arbeitspreisanteile für Netznutzung zwischen etwa 5 und 11 Cent je Kilowattstunde. Die genauen Werte für deinen Netzbetreiber findest du auf der BNetzA-Website oder direkt beim Netzbetreiber.
Kann ich den Netzbetreiber wechseln?
Nein. Der Netzbetreiber ist standortgebunden und für jede Adresse fest zugeteilt. Du kannst keinen anderen Netzbetreiber wählen. Was du wählen kannst, ist deinen Stromlieferanten, der dir über das feste Netz Strom liefert.
Warum sind die Netzentgelte in manchen Regionen so hoch?
Hohe Netzentgelte entstehen durch hohe Investitionen in die Netzinfrastruktur, geringe Kundendichte in ländlichen Gebieten oder den aufwendigen Transport von erneuerbarem Strom aus erzeugungsstarken Regionen in Verbrauchszentren. Besonders Netzgebiete mit hohem Windstromanteil tragen durch Redispatch-Kosten und Netzausbauinvestitionen erhöhte Entgelte.
Wo finde ich die Netzentgelte meines Netzbetreibers?
Nach § 23b EnWG sind Netzbetreiber verpflichtet, ihre Entgelte im Internet zu veröffentlichen. Du findest sie auf der Website deines Netzbetreibers unter 'Netzentgelte' oder 'Netznutzung'. Die Bundesnetzagentur veröffentlicht außerdem eine Übersicht aller gemeldeten Netzentgelte.
Welchen Teil des Strompreises kann ich durch einen Tarifwechsel beeinflussen?
Durch einen Lieferantenwechsel beeinflusst du den Lieferantenanteil am Strompreis: den Energieeinkaufspreis und die Handelsmarge des Anbieters. Netzentgelte, Messstellenbetrieb, Stromsteuer und staatliche Umlagen sind in jedem Tarif identisch und können nicht durch einen Wechsel verändert werden.

Quellen & Stand