Menü

Balkonkraftwerk & PV

Balkonkraftwerk mit Speicher: Wann es sich lohnt

6 Min. Lesezeit

Symbolbild zum Ratgeber „Balkonkraftwerk mit Speicher: Wann es sich lohnt“: ein Balkonkraftwerk mit Solarmodulen am Balkongeländer eines Wohnhauses.

Das Wichtigste in Kürze

Ein Stromspeicher am Balkonkraftwerk speichert tagsüber erzeugten Solarstrom für den Abend und die Nacht. Das erhöht die Eigenverbrauchsquote erheblich, verlängert aber auch die Amortisationszeit. Für eine kleine Balkonanlage mit 800 Watt ist die Wirtschaftlichkeit kritisch zu prüfen: Der jährliche Mehrnutzen gegenüber einer Anlage ohne Speicher ist oft gering, während die Anschaffungskosten des Speichers erheblich sein können.

Wie ein Speicher am Balkonkraftwerk funktioniert

Ein Balkonkraftwerk wandelt tagsüber Sonnenlicht in Strom um. Ohne Speicher wird dieser Strom sofort im Hausnetz verbraucht oder, wenn der eigene Bedarf gedeckt ist, ins öffentliche Netz eingespeist. Das Problem: Der Erzeugungspeak liegt in der Mittagszeit, der Verbrauchspeak oft am Abend. Ein Speicher überbrückt genau diese Lücke.

Die verbreitetste Variante ist der AC-Speicher: Er wird auf der Wechselstromseite zwischen Wechselrichter und Hausnetz eingebunden. Tagsüber lädt er sich mit überschüssigem Solarstrom auf. Abends oder nachts entlädt er sich und speist gespeicherten Strom ins Hausnetz, sodass weniger Strom aus dem Netz bezogen wird.

DC-Speicher sind direkt auf der Modulseite angeschlossen und benötigen eine Wandlung weniger, was den Systemwirkungsgrad minimal erhöht. Sie sind aber seltener erhältlich und erfordern oft einen kompatiblen Spezialwechselrichter.

Illustration zum Abschnitt „Wie ein Speicher am Balkonkraftwerk funktioniert“ im Ratgeber „Balkonkraftwerk mit Speicher: Wann es sich lohnt“: ein Balkonkraftwerk mit Solarmodulen am Balkongeländer eines Wohnhauses.

Typische Größen und Kosten

Für Balkonkraftwerke mit der seit Solarpaket I geltenden Scheinleistungsgrenze von 800 Watt sind Speicher mit 0,5 bis 2 Kilowattstunden Kapazität praxistauglich. Größere Kapazitäten bringen bei dieser Leistung kaum Vorteil, weil die Anlage den Speicher an einem normalen Sonnentag nicht mehr als einmal vollständig laden kann.

Zur Kostenorientierung (qualitative Größenordnungen; aktuelle Marktpreise variieren je nach Hersteller, Bezugsweg und Zeitpunkt):

Wie die Verbraucherzentrale beobachtet, sinken die Speicherpreise seit Jahren, womit sich die Wirtschaftlichkeitsschwelle tendenziell verbessert (vgl. Quellen).

Eigenverbrauchsquote erhöhen

Ohne Speicher liegt die Eigenverbrauchsquote eines Balkonkraftwerks in typischen Haushalten, in denen tagsüber niemand zu Hause ist, oft bei 20 bis 40 Prozent. Der Rest wird eingespeist oder fällt auf einen Zeitpunkt, an dem kein Verbrauch vorhanden ist.

Mit einem passend dimensionierten Speicher lässt sich die Quote auf 50 bis 80 Prozent steigern, je nach Verbrauchsverhalten und Erzeugungsertrag. Jede zusätzlich selbst genutzte Kilowattstunde ersetzt Netzbezug zu rund 30 bis 35 Cent je Kilowattstunde (Größenordnung; Höhe je nach Tarif und Region). Das ist der eigentliche Mehrwert des Speichers.

Illustration zum Abschnitt „Eigenverbrauchsquote erhöhen“ im Ratgeber „Balkonkraftwerk mit Speicher: Wann es sich lohnt“: ein Balkonkraftwerk mit Solarmodulen am Balkongeländer eines Wohnhauses.

Wirtschaftlichkeit ehrlich bewertet

Das folgende Rechenbeispiel erklärt das Prinzip. Es ist keine Renditeprognose. Individuell variieren Ertrag, Eigenverbrauch, Strompreis und Speicherpreis erheblich.

Angenommen, ein Balkonkraftwerk erzeugt im Jahr rund 500 Kilowattstunden. Ohne Speicher werden 30 Prozent davon selbst verbraucht (150 kWh), was bei einem angenommenen Bezugspreis von 0,32 Euro je Kilowattstunde rund 48 Euro Ersparnis ergibt. Mit einem 1-kWh-Speicher steigt die Eigenverbrauchsquote auf 60 Prozent (300 kWh), was rund 96 Euro Ersparnis ergibt. Die Mehrersparnis durch den Speicher beträgt im Beispiel etwa 48 Euro pro Jahr.

Kostet der Speicher 800 Euro, liegt die Amortisationszeit im Beispiel bei rund 17 Jahren. Günstige Heimspeicher haben oft Lebensdauern von 10 bis 15 Jahren; das Beispiel rechnet sich damit nicht.

Die Lage sieht bei größeren Dachanlagen (4 bis 10 Kilowattpeak) deutlich besser aus, weil dort mehr Strom gespeichert und mehr Mehrnutzen erzielt werden kann.

Rechtliches: 800 Watt und Anmeldepflicht

Seit dem Solarpaket I gilt für Balkonkraftwerke eine Scheinleistungsgrenze von 800 Watt am Wechselrichterausgang. Anlagen bis zu dieser Grenze dürfen über eine normale Schukosteckdose einspeisen. Die Anlage muss im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur angemeldet werden; ein zusätzlicher Batteriespeicher ist dort ebenfalls zu registrieren, sofern er nicht als Teil der Gesamtanlage angemeldet wird.

Den Anmeldeprozess erklärt der Spoke Balkonkraftwerk anmelden im Detail.

Für wen ein Speicher sinnvoll ist

Ein Speicher am Balkonkraftwerk ist eher sinnvoll, wenn:

Nicht sinnvoll ist ein Speicher als reine Sparmaßnahme an einer kleinen Balkonanlage, wenn die Amortisationszeit die erwartete Lebensdauer übersteigt. Wer primär Stromkosten senken will, kommt mit der Anlage allein und einem günstigen Tarif weiter. Aktuelle Tarife kannst du mit dem Stromkostenrechner vergleichen.

Mehr zum Thema Balkonkraftwerk insgesamt findest du auf der Hubseite Balkonkraftwerk.

Jetzt lokale Stromtarife vergleichen

Vergleiche den Grundversorger mit günstigen Tarifen für deine Postleitzahl, in unter 2 Minuten.

Stromtarife vergleichen

Häufige Fragen

Welcher Speicher passt zu einem Balkonkraftwerk?
Für Balkonkraftwerke eignen sich in der Regel AC-gekoppelte Speicher, die zwischen Wechselrichter und Hausnetz eingebunden werden. Sie sind modular nachrüstbar und funktionieren mit den meisten Steckersolar-Wechselrichtern. DC-Speicher, die direkt auf der Modulseite angeschlossen werden, sind ebenfalls erhältlich, erfordern aber oft kompatible Spezialwechselrichter.
Wie groß sollte der Speicher für ein Balkonkraftwerk sein?
Eine Kapazität von 0,5 bis 2 Kilowattstunden ist für eine Balkonanlage mit 800 Watt Leistung praxistauglich. Größere Speicher amortisieren sich bei der niedrigen Erzeugungsleistung kaum schneller, weil die Anlage den Speicher an einem normalen Sonnentag oft nicht mehr als einmal vollständig laden kann.
Lohnt sich ein Speicher für ein Balkonkraftwerk wirtschaftlich?
Die Wirtschaftlichkeit ist in den meisten Fällen kritisch. Ein Speicher kostet mehrere hundert bis über tausend Euro, während der jährliche Mehrnutzen gegenüber einem Balkonkraftwerk ohne Speicher oft nur einige Dutzend Euro beträgt. Die Amortisationszeit liegt damit häufig jenseits der Lebensdauer günstiger Speicher. Wer primär Geld sparen will, fährt ohne Speicher oft besser.
Was ist der Unterschied zwischen AC-Speicher und DC-Speicher?
Ein AC-Speicher wird auf der Wechselstromseite zwischen Wechselrichter und Hausnetz eingebunden. Ein DC-Speicher ist auf der Gleichstromseite direkt mit den Modulen verbunden. AC-Speicher sind flexibler nachrüstbar; DC-Speicher vermeiden eine zusätzliche Wandlung und haben daher einen minimal höheren Systemwirkungsgrad.
Brauche ich für einen Speicher eine separate Anmeldung?
Ja. Auch ein Heimspeicher muss im Marktstammdatenregister angemeldet werden, wenn er nicht bereits als Teil der Gesamtanlage registriert ist. Für Komplettsysteme aus Modul, Wechselrichter und Speicher gilt die Gesamtanlage als eine Einheit, die du einmalig anmeldest.

Quellen & Stand