Der Befund: meist, aber nicht immer teurer
Die Grundversorgung ist in den meisten Netzgebieten nicht der günstigste Stromtarif. Das ist kein Zufall und kein Skandal, sondern Folge ihrer Rolle als gesetzlicher Auffangtarif. Wichtig ist die Einschränkung „meist”: In Phasen, in denen die Börsenpreise sehr schnell steigen, kann die Grundversorgung kurzfristig sogar günstiger sein als frisch kalkulierte Neukundentarife. Die Regel bleibt aber, dass der Wechsel sich lohnt.
Warum das so ist, lässt sich an wenigen strukturellen Gründen festmachen, ohne dass man dafür eine konkrete Eurosumme erfinden müsste.
Grund 1: Annahmepflicht und vorsichtige Kalkulation
Nach § 36 EnWG muss der Grundversorger jeden Haushaltskunden in seinem Netzgebiet beliefern. Er kann niemanden ablehnen, auch nicht kurzfristig hereinfallende oder schnell wieder wechselnde Kunden. Diese Mengen- und Preisunsicherheit ist ein echtes betriebswirtschaftliches Risiko, das er über Sicherheitsaufschläge im Arbeitspreis abbildet.
Ein Anbieter mit Sondervertrag kann dagegen gezielt kalkulieren, etwa für eine bestimmte Verbrauchsklasse oder Vertragslaufzeit. Er trägt weniger Risiko und kann deshalb knapper anbieten.
Grund 2: Langfristige Beschaffung und verzögerte Weitergabe
Grundversorger beschaffen Strom typischerweise langfristig und gestaffelt, um die Versorgung zu sichern. Das hat eine träge Preisdynamik zur Folge: Fallen die Börsenpreise, kommt das in der Grundversorgung erst mit Verzögerung an, weil der Versorger noch teurer eingekauften Strom verrechnet. Umgekehrt schlagen steigende Preise ebenfalls verzögert durch.
Für dich heißt das: Wenn der Markt sich beruhigt hat, hinkt die Grundversorgung oft hinterher, während freie Anbieter schon günstigere Tarife ausweisen.
Grund 3: Was NICHT der Grund ist
Ein verbreiteter Irrtum: Die staatlichen Preisbestandteile seien in der Grundversorgung höher. Das stimmt nicht. Netzentgelt, Steuern, Abgaben und Umlagen sind für alle Tarife im selben Netzgebiet identisch. Auch der Grundpreis folgt ähnlichen Logiken.
| Preisbestandteil | gleich für alle Tarife? | beeinflussbar durch Anbieterwahl? |
|---|---|---|
| Netzentgelt | ja | nein |
| Steuern & Umlagen | ja | nein |
| Beschaffung/Vertrieb (Energieanteil) | nein | ja |
Der Unterschied steckt also allein im frei kalkulierbaren Energieanteil, und genau dort kalkuliert der Grundversorger vorsichtiger.
Was du daraus machst
Aus „meist teurer” folgt nicht automatisch eine bestimmte Ersparnis. Wie groß der Abstand zwischen Grundversorgung und Sondervertrag ist, hängt von Netzgebiet, Netzentgelt, Verbrauch und Marktniveau ab. Eine pauschale Eurozahl wäre unseriös.
Verlässlich ist nur der Vergleich mit deinen eigenen Daten. Stromtarife vergleichen stellt den lokalen Grundversorgungspreis direkt gegen die freien Tarife in deinem Netzgebiet. Wenn du wissen willst, welche Vertragsart besser zu dir passt, hilft zusätzlich der Beitrag Grundversorgung vs. Sondervertrag im Vergleich.