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Grundversorgung Strom

Warum die Grundversorgung meist teurer ist

5 Min. Lesezeit

Symbolbild zum Ratgeber „Warum die Grundversorgung meist teurer ist“: eine Person prüft am Laptop einen Stromvertrag am Schreibtisch.

Das Wichtigste in Kürze

Die Grundversorgung ist in den meisten Netzgebieten teurer als ein Sondervertrag, weil der Grundversorger jeden Kunden annehmen muss, auch kurzfristig wechselnde, und entsprechend vorsichtig kalkuliert. Außerdem beschafft er Strom oft langfristig und gibt fallende Marktpreise verzögert weiter. Wie groß der Abstand ist, hängt vom Netzgebiet, vom Verbrauch und vom Marktniveau ab.

Der Befund: meist, aber nicht immer teurer

Die Grundversorgung ist in den meisten Netzgebieten nicht der günstigste Stromtarif. Das ist kein Zufall und kein Skandal, sondern Folge ihrer Rolle als gesetzlicher Auffangtarif. Wichtig ist die Einschränkung „meist”: In Phasen, in denen die Börsenpreise sehr schnell steigen, kann die Grundversorgung kurzfristig sogar günstiger sein als frisch kalkulierte Neukundentarife. Die Regel bleibt aber, dass der Wechsel sich lohnt.

Warum das so ist, lässt sich an wenigen strukturellen Gründen festmachen, ohne dass man dafür eine konkrete Eurosumme erfinden müsste.

Illustration zum Abschnitt „Der Befund: meist, aber nicht immer teurer“ im Ratgeber „Warum die Grundversorgung meist teurer ist“: ein digitaler Smart Meter im Zählerschrank eines Haushalts.

Grund 1: Annahmepflicht und vorsichtige Kalkulation

Nach § 36 EnWG muss der Grundversorger jeden Haushaltskunden in seinem Netzgebiet beliefern. Er kann niemanden ablehnen, auch nicht kurzfristig hereinfallende oder schnell wieder wechselnde Kunden. Diese Mengen- und Preisunsicherheit ist ein echtes betriebswirtschaftliches Risiko, das er über Sicherheitsaufschläge im Arbeitspreis abbildet.

Ein Anbieter mit Sondervertrag kann dagegen gezielt kalkulieren, etwa für eine bestimmte Verbrauchsklasse oder Vertragslaufzeit. Er trägt weniger Risiko und kann deshalb knapper anbieten.

Grund 2: Langfristige Beschaffung und verzögerte Weitergabe

Grundversorger beschaffen Strom typischerweise langfristig und gestaffelt, um die Versorgung zu sichern. Das hat eine träge Preisdynamik zur Folge: Fallen die Börsenpreise, kommt das in der Grundversorgung erst mit Verzögerung an, weil der Versorger noch teurer eingekauften Strom verrechnet. Umgekehrt schlagen steigende Preise ebenfalls verzögert durch.

Für dich heißt das: Wenn der Markt sich beruhigt hat, hinkt die Grundversorgung oft hinterher, während freie Anbieter schon günstigere Tarife ausweisen.

Illustration zum Abschnitt „Grund 2: Langfristige Beschaffung und verzögerte Weitergabe“ im Ratgeber „Warum die Grundversorgung meist teurer ist“: ein Wohnviertel mit Stromleitungen und einem Verteilerkasten.

Grund 3: Was NICHT der Grund ist

Ein verbreiteter Irrtum: Die staatlichen Preisbestandteile seien in der Grundversorgung höher. Das stimmt nicht. Netzentgelt, Steuern, Abgaben und Umlagen sind für alle Tarife im selben Netzgebiet identisch. Auch der Grundpreis folgt ähnlichen Logiken.

Preisbestandteilgleich für alle Tarife?beeinflussbar durch Anbieterwahl?
Netzentgeltjanein
Steuern & Umlagenjanein
Beschaffung/Vertrieb (Energieanteil)neinja

Der Unterschied steckt also allein im frei kalkulierbaren Energieanteil, und genau dort kalkuliert der Grundversorger vorsichtiger.

Was du daraus machst

Aus „meist teurer” folgt nicht automatisch eine bestimmte Ersparnis. Wie groß der Abstand zwischen Grundversorgung und Sondervertrag ist, hängt von Netzgebiet, Netzentgelt, Verbrauch und Marktniveau ab. Eine pauschale Eurozahl wäre unseriös.

Verlässlich ist nur der Vergleich mit deinen eigenen Daten. Stromtarife vergleichen stellt den lokalen Grundversorgungspreis direkt gegen die freien Tarife in deinem Netzgebiet. Wenn du wissen willst, welche Vertragsart besser zu dir passt, hilft zusätzlich der Beitrag Grundversorgung vs. Sondervertrag im Vergleich.

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Häufige Fragen

Ist die Grundversorgung immer teurer als ein Sondervertrag?
In den meisten Netzgebieten ja, aber nicht ausnahmslos. In Phasen stark gestiegener Marktpreise kann die Grundversorgung kurzzeitig günstiger sein als manche Neuverträge. Der verlässliche Vergleich erfolgt immer mit der eigenen Postleitzahl.
Warum kalkuliert der Grundversorger vorsichtiger?
Er muss nach § 36 EnWG jeden Haushaltskunden annehmen, auch solche, die nur kurz bleiben oder schwer kalkulierbar sind. Dieses Mengen- und Preisrisiko bildet er über Sicherheitsaufschläge ab.
Warum sinken die Grundversorgungspreise so langsam?
Grundversorger beschaffen Strom oft langfristig und gestaffelt. Fallende Börsenpreise wirken sich deshalb erst zeitverzögert aus, ebenso wie zuvor gestiegene Preise verzögert ankamen.
Lohnt sich der Wechsel aus der Grundversorgung?
Häufig ja, aber eine pauschale Ersparnis lässt sich nicht seriös nennen. Sie hängt von Netzgebiet, Netzentgelt, Verbrauch und Marktniveau ab. Nur ein Vergleich mit deiner Postleitzahl zeigt die konkrete Differenz.
Sind die staatlichen Bestandteile in der Grundversorgung höher?
Nein. Netzentgelt, Steuern und Umlagen sind für alle Tarife im selben Netzgebiet gleich. Der Unterschied liegt allein im frei kalkulierbaren Energieanteil, den der Grundversorger vorsichtiger ansetzt.

Quellen & Stand