Wie Greenwashing bei Strom funktioniert
Der Begriff Ökostrom ist nicht gesetzlich geschützt, und genau das macht Greenwashing möglich. Der Mechanismus ist simpel: Ein Anbieter verkauft physikalisch ganz normalen Graustrom, also Strom aus dem üblichen Mix. Um ihn als Ökostrom anbieten zu dürfen, kauft er Herkunftsnachweise zu, oft aus dem europäischen Ausland, etwa von bestehenden Wasserkraftwerken.
Das Ergebnis: Auf dem Papier ist der Tarif grün, in der Realität hat sich an der Stromerzeugung nichts geändert. Es wurde keine einzige neue Wind- oder Solaranlage gebaut. Diese Praxis ist legal, aber sie schafft keinen zusätzlichen ökologischen Nutzen, und führt Verbraucher in die Irre, die etwas Gutes tun wollen. Den technischen Hintergrund dazu erklärt der Beitrag Herkunftsnachweise einfach erklärt.
Graustrom plus zugekaufte Nachweise
Der Kern des Problems liegt in der Trennbarkeit von Strom und Nachweis. Ein Herkunftsnachweis wird unabhängig vom physischen Strom gehandelt. Dadurch können zwei Dinge entkoppelt werden, die intuitiv zusammengehören:
| Was du erwartest | Was tatsächlich passieren kann |
|---|---|
| Anbieter erzeugt grünen Strom | Anbieter kauft nur Nachweise zu |
| Dein Verbrauch fördert neue Anlagen | bestehende Erzeugung wird nur umetikettiert |
| Grüner Strom fließt zu dir | physikalisch fließt der lokale Mix |
Solange der Tarif keine zusätzlichen Anforderungen erfüllt, ist „grün” hier vor allem eine Buchungsleistung, kein realer Beitrag zur Energiewende.
Die Warnsignale
Greenwashing erkennst du selten an einem einzelnen Merkmal, aber an einem Muster. Achte auf diese Signale:
- Kein anerkanntes Gütesiegel: Es fehlt ein unabhängiges Label wie ok-power oder Grüner Strom Label.
- Vage Herkunftsangaben: Der Anbieter nennt keine konkreten Anlagen oder Quellen, sondern wirbt nur allgemein mit „100 % Ökostrom”.
- Werbung allein mit Nachweisen: Es ist nur von Herkunftsnachweisen die Rede, nicht von eigenen Investitionen in neue Anlagen.
- Keine Zusätzlichkeit: Es gibt keinen Beleg, dass der Tarif neue erneuerbare Kapazität fördert.
- Marketing über Substanz: Viel grüne Bildsprache, wenig überprüfbare Fakten.
Diese Signale sagen nichts über den Anbietertyp aus, auch große, bekannte Versorger können solche Tarife führen, kleine Anbieter ebenso seriöse.
So prüfst du einen Tarif konkret
Statt dich auf das Etikett zu verlassen, prüfe gezielt:
- Gütesiegel suchen: Trägt der Tarif ein anerkanntes, unabhängiges Siegel? Mehr dazu im Vergleich Ökostrom-Gütesiegel: ok-power & Grüner Strom Label.
- Herkunft hinterfragen: Werden konkrete Anlagen oder zumindest nachvollziehbare Quellen genannt?
- Zusätzlichkeit checken: Gibt es einen belegten Beitrag zum Ausbau, etwa feste Förderbeträge je Kilowattstunde?
- Konditionen trennen: Bewerte Preis, Grundpreis und Laufzeit unabhängig von der ökologischen Frage.
Ökologie und Preis getrennt bewerten
Greenwashing zu durchschauen heißt nicht, Ökostrom pauschal zu misstrauen, es heißt, genauer hinzusehen. Den Preis solltest du dabei immer getrennt von der ökologischen Qualität betrachten. Eine pauschale Aussage zu Mehr- oder Minderkosten wäre unseriös, denn der Preis hängt von Anbieter, Netzgebiet und Verbrauch ab.
Stromtarife vergleichen zeigt dir das Preisniveau für deine Postleitzahl. Die ökologische Substanz prüfst du daneben anhand von Siegeln und belegten Investitionen, so triffst du eine Entscheidung, die in beiden Dimensionen standhält.