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Ökostrom

Greenwashing bei Ökostrom erkennen

5 Min. Lesezeit

Symbolbild zum Ratgeber „Greenwashing bei Ökostrom erkennen“: Windräder und Solaranlagen in einer grünen Landschaft.

Kurz erklärt

Greenwashing bei Ökostrom entsteht, wenn konventionell erzeugter Graustrom lediglich mit zugekauften Herkunftsnachweisen grüngerechnet und dann als Ökostrom verkauft wird, ohne dass neue erneuerbare Kapazität entsteht. Das ist legal, aber für Verbraucher intransparent. Warnsignale sind fehlende Gütesiegel, vage Herkunftsangaben und das Werben allein mit Nachweisen statt mit belegten Investitionen in neue Anlagen.

Wie Greenwashing bei Strom funktioniert

Der Begriff Ökostrom ist nicht gesetzlich geschützt, und genau das macht Greenwashing möglich. Der Mechanismus ist simpel: Ein Anbieter verkauft physikalisch ganz normalen Graustrom, also Strom aus dem üblichen Mix. Um ihn als Ökostrom anbieten zu dürfen, kauft er Herkunftsnachweise zu, oft aus dem europäischen Ausland, etwa von bestehenden Wasserkraftwerken.

Das Ergebnis: Auf dem Papier ist der Tarif grün, in der Realität hat sich an der Stromerzeugung nichts geändert. Es wurde keine einzige neue Wind- oder Solaranlage gebaut. Diese Praxis ist legal, aber sie schafft keinen zusätzlichen ökologischen Nutzen, und führt Verbraucher in die Irre, die etwas Gutes tun wollen. Den technischen Hintergrund dazu erklärt der Beitrag Herkunftsnachweise einfach erklärt.

Illustration zum Abschnitt „Wie Greenwashing bei Strom funktioniert“ im Ratgeber „Greenwashing bei Ökostrom erkennen“: Windräder und Solaranlagen in einer grünen Landschaft.

Graustrom plus zugekaufte Nachweise

Der Kern des Problems liegt in der Trennbarkeit von Strom und Nachweis. Ein Herkunftsnachweis wird unabhängig vom physischen Strom gehandelt. Dadurch können zwei Dinge entkoppelt werden, die intuitiv zusammengehören:

Was du erwartestWas tatsächlich passieren kann
Anbieter erzeugt grünen StromAnbieter kauft nur Nachweise zu
Dein Verbrauch fördert neue Anlagenbestehende Erzeugung wird nur umetikettiert
Grüner Strom fließt zu dirphysikalisch fließt der lokale Mix

Solange der Tarif keine zusätzlichen Anforderungen erfüllt, ist „grün” hier vor allem eine Buchungsleistung, kein realer Beitrag zur Energiewende.

Die Warnsignale

Greenwashing erkennst du selten an einem einzelnen Merkmal, aber an einem Muster. Achte auf diese Signale:

Diese Signale sagen nichts über den Anbietertyp aus, auch große, bekannte Versorger können solche Tarife führen, kleine Anbieter ebenso seriöse.

Illustration zum Abschnitt „Die Warnsignale“ im Ratgeber „Greenwashing bei Ökostrom erkennen“: Windräder und Solaranlagen in einer grünen Landschaft.

So prüfst du einen Tarif konkret

Statt dich auf das Etikett zu verlassen, prüfe gezielt:

  1. Gütesiegel suchen: Trägt der Tarif ein anerkanntes, unabhängiges Siegel? Mehr dazu im Vergleich Ökostrom-Gütesiegel: ok-power & Grüner Strom Label.
  2. Herkunft hinterfragen: Werden konkrete Anlagen oder zumindest nachvollziehbare Quellen genannt?
  3. Zusätzlichkeit checken: Gibt es einen belegten Beitrag zum Ausbau, etwa feste Förderbeträge je Kilowattstunde?
  4. Konditionen trennen: Bewerte Preis, Grundpreis und Laufzeit unabhängig von der ökologischen Frage.

Ökologie und Preis getrennt bewerten

Greenwashing zu durchschauen heißt nicht, Ökostrom pauschal zu misstrauen, es heißt, genauer hinzusehen. Den Preis solltest du dabei immer getrennt von der ökologischen Qualität betrachten. Eine pauschale Aussage zu Mehr- oder Minderkosten wäre unseriös, denn der Preis hängt von Anbieter, Netzgebiet und Verbrauch ab.

Stromtarife vergleichen zeigt dir das Preisniveau für deine Postleitzahl. Die ökologische Substanz prüfst du daneben anhand von Siegeln und belegten Investitionen, so triffst du eine Entscheidung, die in beiden Dimensionen standhält.

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Häufige Fragen

Was ist Greenwashing bei Ökostrom?
Greenwashing bedeutet, dass ein Tarif grüner dargestellt wird, als er tatsächlich ist. Typisch ist, konventionellen Graustrom mit zugekauften Herkunftsnachweisen als Ökostrom zu vermarkten, ohne in neue erneuerbare Anlagen zu investieren.
Ist Greenwashing bei Strom verboten?
Die Praxis, Strom über zugekaufte Herkunftsnachweise grünzurechnen, ist grundsätzlich legal. Sie ist aber intransparent, weil sie keinen zusätzlichen ökologischen Nutzen schafft und Verbraucher über die tatsächliche Wirkung im Unklaren lässt.
Woran erkenne ich echten von unechtem Ökostrom?
Echter Ökostrom weist ein anerkanntes Gütesiegel, transparente Herkunft und belegte Investitionen in neue Anlagen aus. Unechte Tarife werben dagegen vage mit grüner Energie, ohne über den reinen Herkunftsnachweis hinauszugehen.
Warum reicht ein Herkunftsnachweis nicht als Beleg?
Herkunftsnachweise sind getrennt vom physischen Strom handelbar. Ein Anbieter kann sie zukaufen, ohne selbst grünen Strom zu erzeugen oder neue Anlagen zu fördern. Der Nachweis allein schafft deshalb keinen zusätzlichen Umweltnutzen.
Sind Stadtwerke- oder Discounter-Ökostromtarife automatisch Greenwashing?
Nein. Es kommt nicht auf den Anbietertyp an, sondern auf die konkreten Anforderungen des Tarifs. Entscheidend sind Gütesiegel, transparente Herkunft und nachweisbare Investitionen, nicht der Name des Versorgers.

Quellen & Stand