Gesetzliche Grundlage: § 41a EnWG
Seit dem 1. Januar 2025 gilt nach § 41a EnWG für alle Stromlieferanten die Pflicht, mindestens einen dynamischen Tarif anzubieten. Zuvor traf diese Pflicht nur Lieferanten mit mehr als 100.000 Haushaltskunden. Für Verbraucher ist der Abschluss freiwillig; das Angebot muss aber vorhanden sein.
Die Grundlogik ist bei allen Anbietern dieselbe: Der Arbeitspreis ist nicht fest, sondern folgt den stündlichen Preisen an der Strombörse EPEX Spot (Day-Ahead-Markt). Wer seinen Verbrauch in günstige Stunden verlagert, kann den variablen Anteil der Stromkosten senken. Eine ausführliche Erklärung des Prinzips liefert der Ratgeber zu dynamischen Stromtarifen.
Smart Meter: Voraussetzung für alle Anbieter
Unabhängig davon, bei wem du einen dynamischen Tarif abschließt, gilt eine gemeinsame technische Voraussetzung: Du brauchst ein intelligentes Messsystem (iMSys, umgangssprachlich Smart Meter). Nur ein solches Messgerät erfasst den Verbrauch in Viertelstundenintervallen und übermittelt die Werte digital. Ohne diese genaue Messung lässt sich kein stündlicher Börsenpreis korrekt zuordnen.
Haushalte mit Wärmepumpe, Wallbox oder Photovoltaikanlage über einem bestimmten Schwellenwert werden im Zuge des Rollouts ohnehin mit einem iMSys ausgestattet. Alle anderen können den Einbau beim zuständigen Messstellenbetreiber beantragen. Was das kostet und wie der Einbau abläuft, beschreibt der Ratgeber zu Smart Meter und dynamischen Tarifen.
Spezialisierte Anbieter
Diese Anbieter haben ihr Geschäftsmodell von Grund auf auf den börsengekoppelten Strompreis ausgerichtet.
Tibber
Tibber ist ein schwedisch-norwegischer Anbieter, der in Deutschland auf den direkten EPEX-Spot-Day-Ahead-Preis setzt. Der Arbeitspreis berechnet sich stündlich aus dem Börsenpreis plus einem festen Aufschlag; statt eines klassischen Grundpreises wird eine monatliche Mitgliedsgebühr berechnet. Die Tibber-App zeigt die Stundenpreise für den Folgetag und erlaubt die direkte Steuerung kompatibler Wallboxen, Wärmepumpen und Smart-Home-Geräte. Tibber bietet mit dem Tibber Pulse zudem ein Hardwaregerät, das kompatible ältere Zähler zur Verbrauchsüberwachung nachrüstet; für die eigentliche dynamische Abrechnung ist jedoch ein iMSys erforderlich.
aWATTar
aWATTar ist ein österreichisch-deutsches Unternehmen und eines der ersten im deutschsprachigen Raum mit einem konsequent stündlichen Tarifmodell (HOURLY). Der Arbeitspreis koppelt direkt an den EPEX-Spot-Day-Ahead-Preis, ergänzt um Netzentgelte, Steuern, Abgaben und eine Grundgebühr. Stundenpreise für den Folgetag veröffentlicht aWATTar transparent, sodass Kunden ihren Verbrauch aktiv planen können. Das Angebot ist nicht flächendeckend verfügbar; welche Postleitzahlen abgedeckt werden, lässt sich beim Anbieter direkt prüfen.
Octopus Energy
Octopus Energy ist ein britisches Energietechnologieunternehmen, das in Deutschland mit einem dynamischen Tarifprodukt vertreten ist. Das Modell gibt die täglichen Börsenpreise zeitnah weiter, ergänzt um einen festen Aufschlag. Octopus ist bekannt für eine offene API-Infrastruktur und eine Ausrichtung auf technikaffine Kunden, die ihren Verbrauch über externe Steuerungssysteme automatisieren möchten. Ein intelligentes Messsystem ist Voraussetzung.
Rabot Energy
Rabot Energy (früher Rabot Charge) ist ein deutsches Start-up mit einem dynamischen Tarifmodell, das vor allem auf Kunden mit Elektroauto, Wärmepumpe oder Photovoltaikanlage ausgelegt ist. Der Arbeitspreis folgt dem Spotpreis der Strombörse; die Rabot-App soll flexiblen Verbrauch automatisiert in günstige Stunden lenken. Die Ausrichtung auf steuerbare Einrichtungen macht Rabot Energy besonders für Haushalte mit großen flexiblen Lasten interessant.
Große Versorger mit dynamischem Angebot
Diese Anbieter haben dynamische Tarife im Zuge der §41a-Pflicht in ihr Portfolio aufgenommen. Sie punkten mit breiter regionaler Verfügbarkeit und einer bestehenden Kundeninfrastruktur.
E.ON
E.ON gehört zu den größten deutschen Stromlieferanten und hat im Zuge von § 41a EnWG ein dynamisches Tarifprodukt eingeführt. Der Arbeitspreis folgt den Börsenpreisen mit einem transparenten Aufschlag; Steuerung und Verbrauchsdaten laufen über die E.ON-App. E.ON ist bundesweit tätig, sodass das dynamische Angebot grundsätzlich in allen Versorgungsgebieten verfügbar ist. Smart Meter ist Voraussetzung.
EnBW
EnBW ist als großer Versorger in Baden-Württemberg und deutschlandweit tätig und hatte als Anbieter mit weit über 100.000 Haushaltskunden die gesetzliche Pflicht zu einem dynamischen Tarif bereits vor dem 1. Januar 2025. Das dynamische Produkt koppelt den Energieanteil an die täglichen Börsenwerte; digitale Steuerung und Verbrauchsübersicht bietet die EnBW-App. Die Verfügbarkeit richtet sich nach dem EnBW-Versorgungsgebiet.
Vattenfall
Vattenfall ist in Deutschland schwerpunktmäßig als Fernwärmeversorger in Hamburg und Berlin tätig; als Stromlieferant bedient das Unternehmen Privatkunden vor allem im norddeutschen Raum. Das dynamische Tarifangebot wurde im Zuge der §41a-Pflicht aufgenommen. Verfügbarkeit und Konditionen sind auf die Vattenfall-Liefergebiete begrenzt; außerhalb dieser Regionen empfiehlt sich ein direkter Blick in die aktuellen Angebote des Anbieters.
enercity
enercity (Stadtwerke Hannover) ist ein kommunales Versorgungsunternehmen mit digitalem Anspruch und bietet ein dynamisches Tarifprodukt für Privatkunden an. Der Energieanteil ist an den Börsenstrompreis gekoppelt; die enercity-App unterstützt die Übersicht über den Verbrauch und dessen Steuerung. enercity ist im Kern in Hannover und der Region stark, bietet seinen Tarif aber auch überregional an.
ENTEGA
ENTEGA ist ein regionaler Versorger aus Darmstadt im Rhein-Main-Gebiet und bietet seit der §41a-Pflicht ein dynamisches Tarifprodukt an. Das Modell koppelt den Energieanteil an den Großhandelspreis; der Fokus liegt auf dem bestehenden Kundenstamm in Hessen und der Rhein-Main-Region. Gegenüber den spezialisierten Anbietern sind die App-Steuerungsfunktionen auf einem anderen Reifegrad; der Tarif richtet sich eher an Kunden, die mit ihrem regionalen Versorger bleiben und trotzdem auf dynamische Preise umsteigen möchten.
Merkmale im Überblick
| Anbieter | Tarifmodell | Regionaler Fokus | App-Steuerung |
|---|---|---|---|
| Tibber | Spotpreis + fester Aufschlag | bundesweit | ausgereift, Smart-Home-Integrationen |
| aWATTar | HOURLY (direkt EPEX Spot) | ausgewählte PLZ | transparent, Stundenpreise öffentlich |
| Octopus Energy | Spotpreis + Aufschlag | bundesweit | API-offen, technikaffin |
| Rabot Energy | Spotpreis + Aufschlag | bundesweit | Fokus steuerbare Lasten |
| E.ON | Spotpreis + Aufschlag | bundesweit | E.ON-App |
| EnBW | Spotpreis + Aufschlag | BW + bundesweit | EnBW-App |
| Vattenfall | Spotpreis + Aufschlag | norddeutscher Raum | begrenzt |
| enercity | Spotpreis + Aufschlag | Hannover + überregional | enercity-App |
| ENTEGA | Spotpreis + Aufschlag | Rhein-Main / Hessen | Standard |
Hinweis: Tarife, Verfügbarkeiten und App-Funktionen ändern sich regelmäßig. Diese Übersicht gibt den Stand bei Redaktionsschluss wieder.
Worauf du beim Vergleich achten solltest
Preise lassen sich bei dynamischen Tarifen nicht direkt vergleichen, weil der variable Anteil täglich schwankt. Was du stattdessen prüfen kannst:
Aufschlagsmodell. Wie hoch ist der feste Aufschlag je Kilowattstunde zusätzlich zum Spotpreis? Gibt es eine monatliche Grundgebühr? Diese Fixkosten bestimmst du, unabhängig vom Markt.
App und Automatisierung. Wer den Verbrauch nicht automatisiert in günstige Stunden verlagern kann, schöpft das Potenzial nur halb aus. Prüfe, ob die App des Anbieters mit deinen Geräten kompatibel ist, Wallbox, Wärmepumpensteuerung oder Heimspeicher.
Regionale Verfügbarkeit. Nicht jeder Tarif ist in jeder Postleitzahl buchbar. Spezialanbieter wie aWATTar haben teils eingeschränkte Gebiete; große Versorger sind meist flächendeckend aktiv.
Kündigungsfrist und Laufzeit. Dynamische Tarife sind oft ohne lange Mindestlaufzeit verfügbar, was einen Test mit überschaubarem Risiko ermöglicht. Prüfe die genauen Konditionen im Anbieterangebot.
Für wen sich ein dynamischer Tarif grundsätzlich eignet, erklärt der Ratgeber zur Eignung dynamischer Stromtarife.
Für deine PLZ prüfen
Welche Anbieter in deinem Netzgebiet dynamische Tarife tatsächlich anbieten und wie sie sich mit klassischen Festtarifen vergleichen, hängt von deiner Postleitzahl ab. Trage deine PLZ und deinen Jahresverbrauch in den Strompreisvergleich ein, um das aktuelle Marktangebot für dein Netzgebiet zu sehen.